Freiberufler werden: Die komplette Gründer-Checkliste
Du willst dich als Freiberufler selbstständig machen, weißt aber nicht genau, wo du anfangen sollst? Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch alles, was du vor und nach der Gründung erledigen musst.
1. Prüfe, ob du Freiberufler bist
Nicht jede Selbstständigkeit ist automatisch freiberuflich. Ob du als Freiberufler giltst, hängt von deiner Tätigkeit ab. Das Einkommensteuergesetz (§ 18 EStG) definiert sogenannte Katalogberufe — dazu gehören z.B. Ärzte, Ingenieure, Journalisten und IT-Berater.
To-Dos:
- Prüfe, ob deine Tätigkeit zu den freien Berufen gehört
- Verstehe den Unterschied zwischen Freiberufler und Gewerbetreibendem
- Kläre Grenzfälle frühzeitig mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater
2. Rechtsform wählen
Als Freiberufler arbeitest du in der Regel als Einzelunternehmer. Es gibt aber auch andere Optionen wie die Partnerschaftsgesellschaft (PartG) oder die GbR, wenn du mit anderen gründest.
To-Dos:
- Informiere dich über die verschiedenen Rechtsformen für Freiberufler
- Entscheide, ob du allein oder mit Partnern gründest
- Bei Partnerschaften: Gesellschaftsvertrag aufsetzen
3. Beim Finanzamt anmelden
Vor Beginn deiner Tätigkeit musst du dich beim Finanzamt anmelden. Das geht über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den du online über ELSTER einreichen kannst.
To-Dos:
- Fülle den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus
- Entscheide, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen willst
- Sende den Fragebogen an dein zuständiges Finanzamt
- Warte auf deine Steuernummer
4. Geschäftskonto eröffnen
Ein separates Geschäftskonto ist zwar keine Pflicht, aber dringend empfohlen. Es trennt private und geschäftliche Finanzen und erleichtert die Buchhaltung erheblich.
To-Dos:
- Vergleiche Geschäftskonten für Freiberufler
- Eröffne ein Konto, bevor du deine erste Rechnung stellst
- Richte einen separaten Rücklagen-Topf für Steuern ein
5. Steuern verstehen
Als Freiberufler bist du selbst für deine Steuern verantwortlich. Die wichtigsten Steuerarten sind Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Gewerbesteuer fällt für Freiberufler nicht an.
To-Dos:
- Mache dich mit den Steuer-Pflichten für Freiberufler vertraut
- Verstehe die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)
- Informiere dich über Vorsteuerabzug und Umsatzsteuerbefreiung
- Lege von Anfang an ca. 30–40 % deiner Einnahmen für Steuern zurück
6. Versicherungen abschließen
Ohne Arbeitgeber bist du für deine Absicherung selbst verantwortlich. Einige Versicherungen sind essenziell, andere optional.
To-Dos:
- Kläre private oder gesetzliche Krankenversicherung
- Schließe eine Berufshaftpflichtversicherung ab
- Prüfe, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung für dich sinnvoll ist
- Informiere dich über die freiwillige Arbeitslosenversicherung
- Denke an die private Altersvorsorge
7. Stundensatz kalkulieren
Einer der häufigsten Fehler: den Stundensatz zu niedrig ansetzen. Dein Stundensatz muss Steuern, Versicherungen, Urlaub, Krankheitstage und Akquisezeiten abdecken.
To-Dos:
- Nutze unseren Stundensatz-Rechner für eine kostenbasierte Kalkulation
- Vergleiche mit dem marktbasierten Ansatz (Gulp-Kalkulator, Kollegen befragen)
- Plane mit ca. 200 fakturierbaren Tagen pro Jahr (abzüglich Urlaub, Krankheit, Akquise)
8. Erste Rechnung schreiben
Deine Rechnungen müssen bestimmte Pflichtangaben enthalten, sonst riskierst du Probleme beim Vorsteuerabzug deiner Kunden.
To-Dos:
- Lerne die Pflichtangaben einer Rechnung kennen
- Informiere dich über die E-Rechnung (ab 2025 schrittweise Pflicht)
- Erstelle eine Rechnungsvorlage mit fortlaufender Rechnungsnummer
- Setze klare Zahlungsziele (z.B. 14 Tage)
9. Kunden finden
Ohne Kunden kein Umsatz. Starte frühzeitig mit dem Aufbau deines Netzwerks und deiner Online-Präsenz.
To-Dos:
- Registriere dich auf Freelancer-Plattformen
- Optimiere dein LinkedIn-Profil und dein XING-Profil
- Aktiviere dein bestehendes Netzwerk (ehemalige Kollegen, Kunden)
- Erstelle eine einfache Website oder Portfolio-Seite
10. Arbeitsplatz & Tools einrichten
Ein produktiver Arbeitsplatz und die richtigen Tools sparen dir Zeit und Nerven im Arbeitsalltag.
To-Dos:
- Richte deinen Arbeitsplatz ein — ob Homeoffice oder Coworking Space
- Nutze kostenlose Software für Freiberufler für Buchhaltung, Zeiterfassung und Kommunikation
- Richte ein System zur Zeiterfassung ein
- Investiere in einen guten Schreibtisch und ergonomische Ausstattung
Bonus-Tipps für den Start
- Gründerzuschuss: Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du den Gründerzuschuss beantragen.
- Elterngeld: Auch als Freiberufler hast du Anspruch auf Elterngeld.
- Nebentätigkeit: Du kannst auch erst einmal nebenberuflich freiberuflich starten.
- Impressum: Vergiss nicht das Impressum auf deiner Website.
Du hast alle Schritte abgehakt? Dann bist du bestens vorbereitet für deinen Start als Freiberufler. Viel Erfolg!
Bei Fragen schau gerne in unsere FAQ oder schreib uns eine E-Mail.