Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Das sollten Freiberufler wissen

0
8294
Freiwillige Arbeitslosenversicherung für Freiberufler

Du bist dabei, dir eine freiberufliche Existenz aufzubauen, aber unsicher, wie sich der Markt für dich und deine Dienstleistungen entwickelt? Als Freiberufler kannst du dich auf freiwilliger Basis gegen Arbeitslosigkeit versichern - und wendest dich dazu an die Gesetzliche Arbeitslosenversicherung (GAV). Die Arbeitslosenversicherung für Freiberufler und Selbstständige wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um für Angestellte mit Start-Up-Plänen ein gewisses soziales Absicherungspolster zu schaffen.

Arbeitslosenversicherung für Freiberufler: Voraussetzungen

Damit dich die Arbeitslosenversicherung aufnimmt, im Amtsdeutsch, dein Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag akzeptiert, musst du eine dieser Voraussetzungen erfüllen: Du warst von den zurückliegenden 24 Monaten wenigstens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt - oder hast versicherungspflichtige Erziehungszeit genommen.

Einzelne Versicherungszeiten dürfen hier aufaddiert werden. Auch Zeiten einer freiwilligen Weiterversicherung finden dabei Berücksichtigung - etwas, das sich für Freiberufler anbietet, die ihre Arbeitslosenversicherung während einer Zeit im Ausland weiterlaufen lassen. Oder du hast vor deinem Start in die Freiberuflichkeit Leistungen nach SGB III bezogen, wie Arbeitslosengeld I. Die Dauer des Leistungsbezugs ist dabei unerheblich. Sofern du jedoch versicherungspflichtig beschäftigt bist, ist dir der Zugang zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung versperrt - etwa so lange, wie du freiberuflich nur im Nebenerwerb aktiv bist. Dies gilt ebenso, wenn du - wie als Bundeswehrsoldat oder Beamter - von Haus aus versicherungsfrei bist.

Antrag stellen: Das brauchst du dazu

Jetzt heißt es, zügig handeln: Deine wohnortnahe Arbeitsagentur nimmt deinen Antrag auf Arbeitslosenversicherung für Freiberufler entgegen - aber nur in den ersten drei Monaten deiner Freiberuflichkeit bzw. Selbstständigkeit.

Den Nachweis, dass du mindestens 15 Stunden die Woche in diese neue Selbstständigkeit investierst, muss du selbst bringen - wie deine Anmeldung beim Finanzamt mit Steuernummer, einer Gewerbeanmeldung als Selbstständiger oder einer Bescheinigung deines Steuerberaters.

Diese Kosten kommen auf dich zu

Die Beitragshöhe wird im Jahresrhythmus aktualisiert, der Beitragssatz für 2016 beträgt 3 Prozent. Auf Basis der Bezugsgrößen von 2.905 Euro (Deutschland West) und 2.520 Euro (Deutschland Ost) ergibt sich ein monatlicher, einkommensunabhängiger Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 87,15 Euro bzw. 75,60 Euro. Dabei ebnet der Staat Existenzgründern den Weg mit einer Sonderregelung: So musst du in dem Jahr, in dem du als Freiberufler frisch durchstartest sowie im Jahr darauf nur den hälftigen Beitrag leisten - 43,58 Euro in West- oder 37,80 Euro in Ostdeutschland. Selbständige, die ihre selbständige Tätigkeit, auch witterungsbedingt, mehrfach unterbrechen und danach die selbe Tätigkeit erneut aufnehmen, zahlen den vollen Beitrag, wenn ihre Startphase bereits abgelaufen ist. Die Beiträge werden an die Bundesagentur für Arbeit abgeführt.

Einen Basisanspruch von sechs Monaten erwirbt, wer zwölf Monate lang Beiträge zahlt. Die maximale Anspruchsdauer beträgt zwölf Monate - dazu sind 24 Monate lang Beiträge zu leisten.

Saure-Gurken-Zeit? Was du an Arbeitslosengeld bekommst

Deine freiberufliche Existenz entwickelt sich anders als erwartet? Zeit, auf deine Arbeitslosenversicherung zurückzugreifen, aber du musst auch dann nicht aufgeben! Du darfst neben dem Arbeitslosengeld bis zu 165 EUR Gewinn im Monat erwirtschaften. Alles, was darüber hinausgeht, wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

Gut also, wenn du nicht davon abhängig bist und es aus eigener Kraft schaffst. Die Krux: Wer Arbeitslosengeld bezieht, muss sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, sprich, sich bewerben. Das kostet Zeit und Energie, die dir fehlen, um als Freiberufler solide auf die Beine zu kommen. Die Dauer des Leistungsbezuges bemisst sich danach, wie lange du vorher in die Versicherung eingezahlt hast, die Höhe des Arbeitslosengeldes nach einem fiktiven, branchentypischen Arbeitseinkommen und deiner Qualifikation. Auch Familienstand und Zahl der Kinder spielen eine Rolle für die Leistungshöhe.

Zu welcher der vier Qualifikationsgruppen gehörst du? Bist du ohne Ausbildung oder hast du eine:

  • Hochschul- oder Fachhochschulausbildung?
  • einen Fachschulabschluss, bist Meister oder besitzt einen Abschluss einer vergleichbaren Einrichtung?
  • eine abgeschlossene Ausbildung?

Du hast du deine Versicherung schon zweimal unterbrochen, um Arbeitslosengeld zu beziehen? Dann kannst du keinen weiteren Antrag auf Leistungen daraus stellen.

Nicht vergessen: Restanspruch geltend machen!

Du warst vor deiner Freiberuflichkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt und hast bereits Arbeitslosengeld erhalten? Dann kannst du einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld (§ 147 SGB III) geltend machen, wenn deine erste Inanspruchnahme weniger als vier Jahre her ist. Dieser Restanspruch plus dein neu erworbener Anspruch durch deine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Freiberufler ergeben deinen Gesamthöchstanspruch.

Vielleicht warst du auch vor Gründung arbeitslos und bist in den Genuss eines Gründungszuschusses gekommen? Zu Ende deines Leistungsbezugs blieben dir noch elf Monate Leistungsanspruch, du hast aber während deiner Freiberuflichkeit zwölf Monate lang freiwillig eingezahlt? Ergebnis: Insgesamt eine Bezugsdauer von acht Monaten! Diese kommt so zustande: Die Arbeitsagentur zieht deine neun Monate Gründungszuschuss von deinen elf Monaten Restanspruch ab - bleiben zwei Monate. Abschließend kommen deine sechs Monate Anspruch auf Arbeitslosenversicherung für Freiberufler hinzu - macht acht!

Arbeitslosenversicherung für Freiberufler - lohnend für dich persönlich?

Du kannst die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Freiberufler verlassen, wenn du vorher fünf Jahre lang eingezahlt hast. Im Anschluss kannst du unter Einhaltung einer Dreimonatsfrist kündigen. Bist du mit drei Monatsbeiträgen im Rückstand, verlierst du deinen Versicherungsschutz sowieso. Für Selbstständige mit unter fünf Jahren Versicherungsdauer, also ohne reguläre Kündigungsoption ein Schlupfloch im Gesetz, um die Versicherung dennoch zu verlassen. Allerdings - ob die freiwillige Arbeitslosenversicherung ein sinnvolles Instrument der Risikovorsorge für dich ist, musst du selbst entscheiden. Angesichts der vergleichsweise hohen Beiträge fallen die Leistungen alles andere als üppig aus: Der erworbene Arbeitslosengeldanspruch liegt bei vielen nur unwesentlich über ihrem Anspruch auf Arbeitslosengeld II - vor allem für jene, die geringqualifiziert sind, also bei gleichen Beiträgen im Vergleich zu Hochschulabsolventen weniger Arbeitslosengeld I erhalten. Ein Plan B schadet also nicht, um sich für schlechte Auftragslagen abzusichern. Mehr Informationen dazu? Zum Beispiel auf dem Gründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums.