Wenn du selbstständig bist, bedeutet krank sein oft: nichts geht mehr. Kein Chef, der dich krankschreibt, kein Team, das die Arbeit übernimmt — wenn du ausfällst, bleibt alles liegen. Kein Wunder also, dass viele Freelancer trotzdem weitermachen, selbst wenn sie eigentlich ins Bett gehören. Doch das ist weder klug noch nachhaltig.
Denn mal ehrlich: Wie gut arbeitest du wirklich, wenn du dich durch Fieber oder Gliederschmerzen quälst? Fehler passieren schneller, die Konzentration leidet, und am Ende brauchst du noch länger, um wieder fit zu werden.
Manche Krankheiten lassen ohnehin keine Wahl. Mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus kannst du keine Kunden betreuen. Und wer eine Grippe verschleppt, riskiert ernsthafte Folgen — etwa für das Herz. Deshalb gilt: Wenn du krank bist, bist du krank. Punkt.
In diesem Artikel erfährst du, wie du dich als Freiberufler finanziell gegen Krankheit absicherst, welche Versicherungen wirklich sinnvoll sind und was du organisatorisch vorbereiten solltest, damit eine Krankheit nicht zur Existenzkrise wird.
Krankentagegeld: GKV vs. PKV
Damit Krankheit nicht gleich Existenzkrise bedeutet, brauchst du eine finanzielle Absicherung für den Verdienstausfall. Wie diese aussieht, hängt davon ab, ob du gesetzlich oder privat versichert bist. Die Unterschiede sind erheblich — ein genauer Vergleich lohnt sich. Einen umfassenden Überblick findest du in unserem Artikel GKV oder PKV?.
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): Als freiwillig versicherter Freiberufler hast du in der GKV keinen automatischen Anspruch auf Krankengeld. Du kannst jedoch über einen Wahltarif nach § 44 SGB V Krankengeld erhalten. Dieses greift ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit und beträgt 70 Prozent deines Regelentgelts, maximal jedoch 90 Prozent deines Nettoeinkommens. Wichtig: Die Wahlerklärung ist für drei Jahre bindend. Du kannst in dieser Zeit nicht einfach wechseln oder kündigen.
Private Krankenversicherung (PKV): In der PKV kannst du ein Krankentagegeld frei konfigurieren. Die Karenzzeit — also die Wartezeit, bis die Zahlung beginnt — lässt sich individuell wählen, typischerweise ab dem 15. oder 22. Tag. Auch den Tagessatz bestimmst du selbst. Je kürzer die Karenzzeit und je höher der Tagessatz, desto höher fällt natürlich der monatliche Beitrag aus.
Faustregel: Dein Krankentagegeld sollte mindestens zwei Drittel deines normalen Nettoeinkommens abdecken. Weniger kann riskant werden, denn laufende Kosten wie Miete, Versicherungen und gegebenenfalls Mitarbeiter laufen weiter, auch wenn du im Bett liegst. Rechne deine monatlichen Fixkosten einmal ehrlich zusammen und leite daraus den Mindest-Tagessatz ab. Vergiss dabei nicht, dass auch Steuervorauszahlungen und Versicherungsbeiträge weiterlaufen.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Krankentagegeld schützt dich bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit. Doch was passiert, wenn du deinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kannst? Genau dafür gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
Als Freiberufler bist du besonders verwundbar: Du hast keinen Arbeitgeber, der weiterzahlt, und die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht — falls du überhaupt Anspruch hast — selten zum Leben. Eine BU-Versicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du aus gesundheitlichen Gründen deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst.
Die BU ist umso günstiger, je jünger und gesünder du beim Abschluss bist. Vorerkrankungen können zu Ausschlüssen oder Zuschlägen führen. Deshalb gilt: Je früher du dich damit beschäftigst, desto besser. Achte bei der Auswahl auf den Verzicht auf abstrakte Verweisung — das bedeutet, dass der Versicherer dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen darf. Prüfe außerdem die Nachversicherungsgarantie: Damit kannst du die versicherte Rente bei steigendem Einkommen ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen. Gerade bei Freiberuflern, deren Einkommen in den ersten Jahren oft deutlich wächst, ist das ein wichtiger Punkt.
Kunden informieren — aber richtig
Der Wecker klingelt, du fühlst dich elend. Als Selbstständiger kannst du theoretisch einfach liegen bleiben — aber was ist mit deinen Kunden? Die solltest du so früh wie möglich informieren. Eine kurze Mail reicht oft schon, um Verzögerungen zu erklären und Erwartungen zu managen.
Sei dabei ehrlich, aber professionell. Du musst keine Details zu deiner Diagnose nennen. Ein einfaches “Ich bin leider krankheitsbedingt nicht verfügbar und melde mich, sobald ich wieder arbeitsfähig bin” reicht in den meisten Fällen vollkommen aus. Wenn du bereits absehen kannst, wie lange du ausfällst, teile das mit. Falls nicht, vereinbare einen Termin für ein Update.
Hast du vertraglich vereinbarte Deadlines, prüfe deine Optionen. Viele Verträge enthalten Regelungen für höhere Gewalt oder Krankheit. Falls du ein Ausfallhonorar vereinbart hast, greift dieses unter Umständen auch für die Gegenseite.
Notfallplan erstellen
Falls du durch einen Unfall oder eine Not-OP gar nicht mehr reagieren kannst, solltest du vorbereitet sein. Ein durchdachter Notfallplan ist kein Zeichen von Pessimismus, sondern professionelle Vorsorge.
Vertretungsperson benennen: Bestimme eine Person, die im Ernstfall deine wichtigsten Aufgaben übernehmen oder zumindest koordinieren kann. Das kann ein befreundeter Freelancer aus deinem Netzwerk sein oder ein Kollege, mit dem du eine gegenseitige Vertretungsvereinbarung triffst.
Kundennotfallkontakte: Erstelle eine aktuelle Liste mit den Kontaktdaten deiner wichtigsten Kunden und laufenden Ansprechpartner. Deine Vertretungsperson sollte wissen, wen sie im Notfall benachrichtigen muss — und was inhaltlich gerade ansteht.
Digitaler Zugang: Verwende einen Passwort-Manager und stelle sicher, dass deine Vertrauensperson im Ernstfall Zugriff auf die wichtigsten Konten erhält, etwa E-Mail, Projektmanagement-Tools oder Cloud-Speicher. Viele Passwort-Manager bieten dafür eine Notfallzugriffsfunktion.
Laufende Verträge und Fristen: Dokumentiere alle laufenden Verträge, wiederkehrenden Fristen und offenen Rechnungen an einem zentralen Ort. So kann im schlimmsten Fall jemand anderes sicherstellen, dass nichts Wichtiges untergeht.
Wirklich auskurieren
Auch wenn es schwerfällt: Wenn du krank bist, dann ruhe dich wirklich aus. Kein “Ich beantworte nur kurz ein paar Mails”, kein “Ich kann ja vom Bett aus arbeiten”. Wenn dein Arzt Erholung verordnet, meint er das ernst.
Das erfordert Disziplin — aber die hast du als Selbstständiger ja ohnehin. Und je besser du dich erholst, desto schneller bist du wieder voll einsatzfähig. Wer sich nicht richtig auskuriert, riskiert Rückfälle, chronische Verläufe und letztlich noch längere Ausfallzeiten.
Krankheit steuerlich geltend machen
Krankheit kostet nicht nur Energie, sondern auch Geld. Die gute Nachricht: Einiges davon kannst du steuerlich geltend machen.
Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen: Zuzahlungen für Medikamente, Behandlungskosten, Krankenhausaufenthalte oder medizinische Hilfsmittel kannst du als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG in deiner Steuererklärung ansetzen. Voraussetzung ist, dass die Kosten die sogenannte zumutbare Belastung übersteigen. Diese richtet sich nach deinem Einkommen, Familienstand und der Kinderzahl.
Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben: Deine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung — egal ob GKV oder PKV — sind als Sonderausgaben absetzbar. Das gilt auch für Beiträge zum Krankentagegeld und zur Berufsunfähigkeitsversicherung, wobei hier die Höchstgrenzen für Vorsorgeaufwendungen eine Rolle spielen. Zusammen mit einer möglichen freiwilligen Arbeitslosenversicherung bilden diese Beiträge einen wichtigen Baustein deiner Absicherung.
Bewahre alle Belege sorgfältig auf und sprich im Zweifel mit deinem Steuerberater, um nichts zu verschenken.
Prävention: Gesund bleiben als Freiberufler
Die beste Krankheit ist die, die gar nicht erst ausbricht. Als Freiberufler hast du die Freiheit, deinen Alltag gesundheitsfördernd zu gestalten. Nutze sie.
Arbeitsergonomie: Investiere in einen guten Bürostuhl, einen höhenverstellbaren Schreibtisch und einen externen Monitor. Rücken- und Nackenbeschwerden gehören zu den häufigsten Gründen für Arbeitsausfälle bei Schreibtischtätigkeiten. Schon kleine Anpassungen können einen großen Unterschied machen.
Bewegung: Plane regelmäßige Bewegung fest in deinen Arbeitsalltag ein. Das muss kein Marathon sein — ein täglicher Spaziergang, Dehnübungen zwischen den Arbeitsphasen oder zwei bis drei Sporteinheiten pro Woche reichen oft aus, um fit zu bleiben.
Regelmäßige Vorsorge: Nimm Vorsorgeuntersuchungen wahr. Als Selbstständiger gibt es niemanden, der dich daran erinnert. Trag dir feste Termine im Kalender ein — Zahnarzt, Hausarzt-Check-up, Augenarzt, was eben zu deiner Situation passt.
Work-Life-Balance: Dauerhafte Überarbeitung ist einer der größten Risikofaktoren für Burnout und andere stressbedingte Erkrankungen. Setze dir klare Arbeitszeiten, plane Pausen ein und nimm dir regelmäßig frei. Dein Geschäft profitiert langfristig davon, dass du gesund und leistungsfähig bleibst.
Psychische Gesundheit: Selbstständigkeit kann isolierend wirken. Der fehlende Austausch mit Kollegen, ständige Unsicherheit und der Druck, alles allein zu stemmen, belasten auf Dauer. Suche dir aktiv ein Netzwerk aus anderen Freiberuflern, besuche Coworking-Spaces oder tausche dich in Fachgruppen aus. Und scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du merkst, dass die Belastung zu groß wird.
Krank sein als Freiberufler ist unangenehm, aber mit der richtigen Vorbereitung kein Grund zur Panik. Wer sich finanziell absichert, organisatorisch vorbereitet und auf die eigene Gesundheit achtet, kann auch eine längere Krankheit überstehen, ohne dass die Selbstständigkeit in Gefahr gerät.
Quellen
Häufige Fragen
Wie lange bekomme ich als Freiberufler Krankengeld von der GKV?
In der gesetzlichen Krankenversicherung haben freiwillig versicherte Freiberufler keinen automatischen Anspruch auf Krankengeld. Über einen Wahltarif nach § 44 SGB V kannst du Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit erhalten. Die Wahlerklärung bindet dich für drei Jahre.
Kann ich Krankheitskosten als Freiberufler steuerlich absetzen?
Ja. Krankheitskosten, die die zumutbare Belastung übersteigen, kannst du als außergewöhnliche Belastungen in deiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Krankenversicherungsbeiträge zählen als Sonderausgaben.
Brauche ich als Freiberufler eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Freiberufler besonders wichtig, da du im Gegensatz zu Angestellten keinen Arbeitgeber hast, der im Ernstfall einspringt. Ohne BU-Schutz droht bei dauerhafter Berufsunfähigkeit der finanzielle Ruin.
Was sollte in einem Notfallplan für Freiberufler stehen?
Ein guter Notfallplan enthält mindestens eine benannte Vertretungsperson, eine Liste mit Kundennotfallkontakten, Zugangsdaten über einen Passwort-Manager sowie eine Übersicht laufender Verträge und Fristen.
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