IT-Berater werden

Als IT-Berater zu arbeiten, bietet überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten. Das klingt verlockend, man muss aber mit dem Lebensstil zurechtkommen, der häufig viel berufliches Reisen und wechselnde Arbeitsumgebungen beinhaltet. Dieser Artikel soll dir helfen herauszufinden, ob das Arbeiten als IT-Consultant zu dir passt.

Wie werde ich IT-Berater?

IT-Berater ist keine geschützte Berufsbezeichnung, d.h. es gibt keine formellen Voraussetzungen. Theoretisch kann sich jeder als IT-Berater selbstständig machen oder anstellen lassen.

In der Praxis ist ein Informatikstudium oder Informatik nahes Hochschulstudium von Vorteil. Da IT-Berater in der Regel sehr eng mit den Kunden zusammenarbeiten, ist alles hilfreich, was eine Qualifizierung für die Aufgabe untermauert. Neben einem Hochschulstudium können den Qualifizierungen durch Zertifizierungen und Projekterfahrungen sein.

Wie viel verdient ein IT-Berater?

Als Junior Consultant (etwa 0-3 Jahre Berufserfahrung) sind in einer Anstellung Einstiegsgehälter zwischen 40.000 und 60.000 € Bruttoverdienst im Jahr realistisch. Bei einem angestellten Senior Berater sind Gehälter bis zu 100.000 € möglich.

Wie hoch ein Gehalt ausfällt, hängt maßgeblich von Erfahrung, Spezialisierung, Einsatzort und Branche ab. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein tiefes Branchenwissen und eine Spezialisierung, die Nahe an Business relevanten Geschäftsprozessen liegt, besser bezahlt wird.

Ein SAP-Berater mit sehr gutem Modul Wissen, hat in der Regel eine bessere Verhandlungsbasis, als ein PHP-Entwickler, der bisher die Seite von seinem Frisör programmiert hat. Das sagt nichts darüber aus, wer der bessere Berater ist. Angebot und Nachfrage sind hier ausschlaggebend.

Als selbstständiger SAP-Berater mit Vollauslastung ist ein Jahresumsatz über 200.000 € möglich. Da Umsatz nicht gleich Gewinn ist, kommen hier diverse Abzüge, wie Krankenversicherung, Altersvorsorge, Reisekosten, Auto und vieles mehr dazu, die den Gewinn schmälern. Was hier tatsächlich übrig bleibt, hängt sehr von der individuellen Situation ab. Eine Vollauslastung ist keineswegs selbstverständlich! Kein Projekt, heißt kein Geld.

Der Aufbau eines finanziellen Polsters für schwierige Zeiten ist Pflicht! Ein Grund warum Unternehmen freiberufliche Berater beauftragen ist, dass man sie auch schnell wieder von der Gehaltsliste streichen kann. Geht es dem Unternehmen nicht gut, sind es häufig die externen Mitarbeiter, die gehen müssen.

In wirtschaftlichen Krisen kann man also sein Projekt verlieren und aufgrund der allgemeinen Lage Probleme bekommen, neue Projekte zu finden. Das kann Nerven kosten. Mit einem finanziellen Polster kann man in dieser Situation besser schlafen.

Wer ein Gefühl dafür bekommen will, was er in etwa als Selbstständiger Berater verdienen kann, dem empfehle ich den Stundensatz Kalkulator von Gulp. Wie du ihn bedienst, kannst du bei uns hier nachlesen.

Was muss man als IT-Berater können?

Die Spezialisierung für IT-Berater können sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist es gut, sich in einem Bereich gut auszukennen. Als Berater für Content Management System erwartet der Kunde von dir, dass er mit seinen Anforderungen zu dir kommen kann und du ihn bzgl. Machbarkeit und Umsetzung beraten kannst.

Als IT-Berater solltest du in der Lage sein, technische Sachverhalte verständlich für andere zu erläutern. Ein eigenverantwortliches Arbeiten und lösungsorientiertes Denken werden ebenfalls erwartet.

Auch wenn die technische Umsetzung selbst häufig auch Teil der Arbeit des IT-Beraters ist, sollte man neben dem technischen Know-How auch Soft Skills bieten. Präsentation halten, Mitarbeiter schulen, Konzepte und Dokumentationen erstellen sind ebenfalls klassische Aufgaben.

Angestellt oder Selbstständig

Soll ich lieber als angestellter Berater arbeiten oder mich lieber selbstständig machen?

Für eine Anstellung spricht, dass man an die Hand genommen wird. Man hat Kollegen, die einem helfen können, man hat in der Regel nichts mit der Kundenakquise zu tun. Manchmal arbeitet man beim Kunden in einem Team mit Kollegen. Der Einstieg in die IT-Beratung ist somit deutlich einfacher.

Wenn du nicht im Projekt bist, bekommst du trotzdem dein Gehalt. Wer jedoch zu lange nicht in Projekt vermittelt werden kann, der kann sich früher oder später auf unangenehme Gespräche mit seinem Arbeitgeber einstellen.

Für die Selbstständigkeit spricht, dass dein mögliches Gehalt deutlich höher ausfallen kann und du mehr Freiheit hast. Keine Lust auf ein Projekt aus inhaltlichen Gründen oder weil es zu weit weg ist? Du kannst es selbst ablehnen. Du kannst dich selbst entscheiden, worauf du dich spezialisierst. Natürlich musst du dich selbst um Projekte kümmern und trägst selbst das volle Risiko.

Aus meiner Sicht ist eine Typfrage und eine Frage der Erfahrung. Der Einstieg in die IT-Beratung über eine Anstellung ist sicherlich einfacher. Wer aber weiß, dass er einfach an Projekte kommt, weil er außerordentlich gut in seinem Gebiet ist, der wird als Selbstständiger auch wenig Probleme haben.

Meiner Meinung nach lohnt sich eine Selbstständigkeit in der Regel finanziell für einen erfahrenen IT-Berater mehr.

Warum IT-Consultant werden?

Neben einem überdurchschnittlichen Gehalt bietet die Arbeit als IT-Berater einige Vorteile gegenüber klassischen vergleichbaren Positionen in einem Unternehmen.

Schnelles Lernen

Als IT-Berater wird von deinem Kunden erwartet, dass du Experte in deinem Gebiet bist. Um dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden, musst du dich in deinem Bereich sehr gut auskennen. Die Anforderungen in deinem Projekt motivieren dich dazu Wissenslücken zu schließen.

Das Lernen beschränkt sich nicht nur auf fachliche Aspekte. Deine Soft Skills werden ebenfalls geschult, denn du musst dich immer wieder in neue Teams einfügen. Du lernst anderen dein Wissen beizubringen und zu präsentieren.

Selbstbestätigung

Als Experte in deinem Thema wirst du schnell zum gefragten Ansprechpartner. Häufig kannst du schnell und effizient Lösungen präsentieren. Du kannst dein Wissen anderen beibringen. Das macht Spaß und ist eine Form von Selbstbestätigung.

Einblick in viele Unternehmen

Mit der Zeit lernt man als IT-Berater einige Unternehmen und Geschäftsmodelle von Innen kennen. Das sind Erfahrungen, die man kaum in einem anderen Beruf bekommen kann.

Reisen und neue Menschen kennenlernen

Man bekommt nicht nur viele Unternehmen zu sehen, sondern auch viele Orte. Manchmal ist das ein langweiliges Industriegebiet, aber in der Regel ist eine größere Stadt in der Nähe. Man lernt interne Mitarbeiter beim Kunden kennen oder andere Berater. Work hard, party hard, ist insbesondere bei jungen Beratern nicht unüblich.

Karrieresprungbrett

Erfahrung in der IT-Beratung macht sich gut im Lebenslauf und ist für andere Unternehmen interessant. Mit einigen Jahren Projekterfahrung hast du bewiesen, dass du dich in unterschiedlichen Umfeldern erfolgreich bewegen konntest. Das unterstreicht nicht nur deine fachliche Kompetenz, sondern auch deine soziale Kompetenz.

Häufig werden IT-Berater vom Kunden abgeworben. Ein Kunde, der mit deiner Arbeit zufrieden ist, könnte dein nächster Arbeitgeber werden.

Die Schattenseiten

Für das Leben als IT-Berater mit einem guten Einkommen zahlt man unter Umständen auch einen hohen Preis. Im Folgenden will ich auf typische Problematiken hinweisen, die der Beruf mit sich bringen kann.

Das Leben aus dem Koffer

Wer nicht in einem Ballungsgebiet lebt und das Glück hat, für Kunden in der Nähe seines Wohnortes zu arbeiten, der wird wochentags viel unterwegs sein.

Die Arbeit als IT-Berater ist häufig beim Kunde Vorort. Zwar gibt es auch für IT-Berater immer häufiger die Möglichkeit remote zu arbeiten, aber darauf kann man sich nicht verlassen.

Häufig bedeutet das unbezahlte Reisezeit und viele Nächte in Hotels. Das klingt für manche anfangs aufregend, hat aber starke Auswirkungen auf das Privatleben.

Viele Beziehungen zerbrechen an diesem Lebensstil. Den Kontakt zum Freundeskreis unter der Woche aufrechtzuerhalten, ist sehr schwierig.

Regelmäßige Termine in Vereinen und Mannschaftssport sind nur schwer mit diesem Lebensstil zu vereinbaren. Auch eine Familienplanung ist erschwert.

Wer die ganze Woche Vollzeit beim Kunden ist mit Überstunden, der muss alltägliche Dinge, wie Wäsche waschen, Frisör, Einkaufen etc. am Wochenende erledigen.

Nicht selten ist man in einem Business Outfit unterwegs, d.h. am Samstag ist auch hin und wieder der Besuch bei einer Reinigung angesagt.

Der feine Zwirn

Es gibt Kunden bei denen kommt man um ein Business Outfit nicht drumherum. Wenn dein Kunde zum Beispiel eine Versicherung ist, gilt es in der Regel für Frauen und Männer eine angemessene Kleidung zu tragen.

Ich bin häufig bei über 30 Grad im Anzug mit einem Rollkoffer und einer Notebook Tasche durch eine fremde Stadt zum Kunden, Bahnhof oder Flughafen gezogen. Das ist nicht jedermanns Sache.

Häufig wechselndes Arbeitsumfeld

Als IT-Berater bekommt man in kurzer Zeit Einblicke in viele Unternehmen und dabei lernt man eine Menge.

Das heißt aber auch, dass du dich immer wieder in neue Teams eingliedern musst, dich wieder neu beweisen und häufig auch in einer neuen Umgebung zurechtfinden musst.

Neid / Anfeindungen

Ich habe es nicht oft erlebt, aber ich habe es erlebt. Es gibt hin und wieder interne Mitarbeiter, die einen für einen überbezahlten Sklaven halten. Da wird rumkommandiert und peinlich genau darauf geachtet, dass man während der Arbeitszeit abliefert und nicht länger als nötig am Kaffeeautomaten steht. Als freundlicher Gast sollte man das weglächeln können.

Skalierung

Als IT-Berater kann man überdurchschnittlich gut verdienen – kein Zweifel. Dennoch tauscht man immer Zeit gegen Geld und Zeit ist begrenzt.

Sicherlich tun das letztendlich alle Arbeitnehmer, aber das bedeutet, dass man auch beim Gehalt an eine Grenze stößt, weil man seinen Stundensatz nicht beliebig nach oben treiben kann. Auch wenn man gut verdient, reich wird man so nicht.

Scheinselbstständigkeit

Als selbstständiger IT-Berater wirst du früher oder später mit dem Thema Scheinselbstständigkeit konfrontiert sein. Da ich kein Jurist bin, ist die folgende Beschreibung mit Vorsicht zu genießen, viel wichtiger ist ohnehin, was daraus resultiert.

Unter Scheinselbstständig ist das Arbeiten eines Selbstständigen in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis gemeint. Wenn sich dein Arbeitsverhältnis also nicht wesentlich zu dem eines intern angestellten Kollegen unterscheidet, dann könnte man von Scheinselbstständigkeit reden.

Das könnte heißen, du hast einen Arbeitsplatz beim Kunden, ein vom Kunde gestelltes Notebook, E-Mail und eine Festnetznummer. Du arbeitest auf Weisung von einem vom Kunden gestellten Projekt- oder Abteilsungsleiter.

Eine genaue Definition, was ein Arbeitsverhältnis zu einem scheinselbstständigen Arbeitsverhältnis macht, gibt es nicht. Genau hier liegt das Problem.

Gegenwärtig gibt es mangels klarer gesetzlicher Reglung für Auftraggeber keine eindeutigen Kriterien, wie sie mit dir zusammen arbeiten können, ohne Gefahr zu laufen, dass in deinem Fall Scheinselbstständigkeit festgestellt wird. Denn sollte bei einer Prüfung durch die Rentenversicherung herauskommen, dass es sich aus Sicht der Rentenversicherung, um Scheinselbständigkeit handelt, muss dein Auftraggeber die nicht gezahlten Beträge an Rentenversicherung etc. nachzahlen. Das kann teuer werden und birgt ein unkalkulierbares Risiko.

Als Konsequenz aus dieser Situation versuchen sich viele Unternehmen dagegen abzusichern. Es werden grundsätzlich keine Freelancer beauftragt oder der Zeitraum der Zusammenarbeit wird zeitlich begrenzt. Auch sehr in Mode ist die Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ). Der Berater wird für die Projektlaufzeit bei einer Personalvermittlung fest angestellt. Die Personalvermittlung überlässt den Mitarbeiter dem eigentlichen Kunden. Oder man umgeht die Problematik dadurch, dass man ausländische Firmen beauftragt.

Leseempfehlung: brand eins – Risikogruppe: Freiberufler

Fazit: IT-Berater werden

Die Arbeit als IT-Berater ist sehr anspruchsvoll. Das beschleunigt die eigene Entwicklung enorm. Wer etwas abenteuerlustig ist und das kalte Wasser nicht scheut, der kann viel Spaß an der Arbeit haben. Der Lebensstil hat seinen Preis, aber niemand muss für immer als IT-Berater arbeiten. Einige Jahre in der IT-Beratung erlauben es, ein sehr gutes Netzwerk aufzubauen und machen sich gut im Lebenslauf.

Für mich ist die IT-Beratung auch eine Möglichkeit, für eine techniknahe Tätigkeit anständig bezahlt zu werden. In meiner Erfahrung erreicht man als angestellter Entwickler eine Gehaltsgrenze, die man nicht überschreiten kann, wenn man nicht Personal-, Projekt- oder Budgetverantwortung übernimmt. Viele Technikaffine wollen aber in der Technik bleiben. In den Unternehmen gibt es dafür leider häufig keine Karrierepfade.

Ich hoffe, es ist etwas klarer, was es bedeutet, als IT-Berater zu arbeiten.

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