Wann verjährt eine Rechnung?

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Wann verjährt eine Rechnung?

Warum ist eine Verjährung von Rechnungen wichtig

Alles hat einmal ein Ende. Auch die Existenz einer Rechnung. Ihr Todesurteil heißt Verjährung. Die Verjährung dient dem Rechtsfrieden. Ansprüche sollen nicht bis in alle Ewigkeiten geltend gemacht werden können.

Die Frage ist nur, wann verjähren Rechnungen eigentlich? Die Frage ist deshalb wichtig, als es meist zu spät ist, wenn eine offene Rechnung als solche erkannt wird.

Grundsätzliches zur Verjährung von Rechnungen

  1. Die für Rechnungen maßgebliche Verjährungsfrist beläuft sich auf drei Jahre (§ 195 BGB).
  2. Die Verjährungsfrist beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist (§ 199 BGB).
  3. Möchtest du diese Frist unterbrechen, musst du Maßnahmen ergreifen, die die Verjährung hemmen oder sogar von Neuem beginnen lassen.

Details zur Verjährung von Rechnungen

Die regelmäßige Frist, in der eine Rechnung verjährt, beträgt drei Jahre. Früher gab es eine ganze Reihe unterschiedlicher Verjährungsfristen. Heute bestimmt § 195 BGB zumindest für Rechnungen pauschal und einheitlich, dass die regelmäßige Verjährungsfrist drei Jahre beträgt.

Lediglich für einzelne im Gesetz bestimmte Anspruchsarten gelten längere Fristen. Diese Ansprüche betreffen Herausgabeansprüche, familien- und erbrechtliche Ansprüche oder die Ansprüche aus vollstreckbaren Urkunden. Die Frage "Wann verjähren Rechnungen" ist also relativ einfach zu beantworten.

Wann beginnen die Verjährungsfristen?

Die Frist der Verjährung beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt hat, die seinen Anspruch begründen.

Beispiel:
Ein Journalist schreibt am 3. August 2015 seinem Verlag eine Rechnung. Die Frist, mit der die Verjährung beginnt, ist nicht mit dem Rechnungsdatum identisch. Sie beginnt vielmehr mit dem Ablauf des Jahres 2015, also zum 1. Januar 2016 und endet drei Jahre danach zum 31. Dezember 2018.

Dabei kommt es nicht darauf an, dass die Rechnung erstellt und der Anspruch fällig gestellt wurde. Maßgebend ist allein, dass der Anspruch in dem Augenblick entsteht, in dem du die Leistung erbracht hast. Gemäß § 271 BGB kann nämlich der Gläubiger die Leistung sofort fordern und der Schuldner kann sofort leisten.

Was bedeutet Hemmung?

Als Gläubiger kannst du die Verjährung hemmen. Die Hemmung bewirkt, dass ein bestimmter Zeitraum in die Verjährung nicht mit eingerechnet wird. Die Uhr, mit der die Verjährung abläuft, wird sozusagen "angehalten" (§ 209 BGB).

Situationen, in denen die Verjährung gehemmt wird:

  • Du verhandelst mit dem Schuldner über die Forderung oder umgekehrt der Schuldner verhandelt mit dir über die Forderung. Solange die Verhandlungen in der Schwebe sind, wird die Verjährung gehemmt.
  • Du erhebst bei Gericht Zahlungsklage gegen den Schuldner und klagst die Forderung gegen ihn ein.
  • Du reichst beim Amtsgericht einen Mahnbescheid ein und machst die Forderung gegen den Schuldner geltend.

Hinweis 1: Die einfache, privatschriftliche Mahnung genügt nicht. Sie bewirkt keine Hemmung des Anspruchs. Die Verjährungsuhr läuft ununterbrochen fort!

Hinweis 2: Beantragst du sozusagen in letzter Minute vor Ablauf des Jahres einen Mahnbescheid, ist es wichtig, dass du auch die für den Mahnbescheid notwendigen Gerichtsgebühren bei der Gerichtskasse einzahlst. Nur dann ist nämlich gewährleistet, dass der Mahnbescheid „demnächst“ zugestellt werden kann, so wie es das Gesetz fordert.

Was bedeutet Neubeginn der Verjährung?

Noch günstiger ist es für dich als Gläubiger, wenn die Verjährung neu beginnt. Der Neubeginn der Verjährung hat zur Folge, dass die Frist, in der dein Anspruch verjährt, neu zu laufen beginnt. Die Uhr wird sozusagen "neu gestellt" (§ 212 BGB). Der Neubeginn ist also wesentlich weitreichender als die bloße Hemmung des Anspruchs.

Situationen, in denen die Verjährung neu beginnt: …

  • Dein Schuldner erkennt den Anspruch an. Der Anerkennung kann darin bestehen, dass er ausdrücklich sagt, er erkenne die Forderung an oder dass er eine Abschlagsleistung auf die Forderung leistet, Zinsen zahlt oder eine Sicherheitsleistung erbringt. Erkennt er ausdrücklich an, sollte das Anerkenntnis schriftlich erfolgen. Andernfalls dürfte es im Streitfall kaum beweisbar sein.
  • Bist du bereits im Besitz eines vollstreckbaren Titels, bewirkt auch die gerichtliche Vollstreckungshandlung, dass die Verjährung neu beginnt.

Nur ein konsequentes Forderungsmanagement vermeidet Verluste

Drei Jahre sind eine relativ kurze Zeit. Rechnungen verjähren oft unbemerkt. Um zu verhindern, dass eine Rechnung verjährt, solltest du auf ein Forderungsmanagement Wert legen. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass Rechnungen fortlaufend überprüft werden müssen. Die Frage ist dann nicht, wann verjährt eine Rechnung, sondern, wann musst du effektiv etwas unternehmen, um zu deinem Geld zu kommen?

Zahlt der Schuldner nicht, ist er frühzeitig zu mahnen. Trägt der Schuldner keine nachvollziehbaren Argumente vor, mit denen er die Zahlung verweigern kann, sollte die Forderung gerichtlich geltend gemacht werden. Offenbaren sich beim Schuldner hingegen Zahlungsschwierigkeiten, kann es durchaus ratsam sein, ihm Teilzahlungen anzubieten. Damit vermeidest du, dass der Schuldner sich nicht schamhaft in sein Schneckenhaus zurückzieht oder mit scheinheiligen Argumenten versucht, die Forderung zu entkräften.

Gut ist immer, mit dem Schuldner ins Gespräch zu kommen und die Gründe in Erfahrung zu bringen, mit denen er die Zahlung deiner Forderung verzögert. Die Frage, wann verjährt eine Rechnung, sollte sich also möglichst gar nicht erst stellen.