Factoring für Freiberufler einfach erklärt

Dank Factoring für Freiberufler zu mehr Liquidität

Zweifelsohne sind mit einer freiberuflichen Tätigkeit viele Vorteile verbunden. Du kannst deine Arbeitszeit im Gegensatz zum Angestelltendasein selber einteilen und auch Entscheidungen rund um deine Tätigkeit werden nur von dir getroffen. Verfügst du über eine gute Auftragslage, kannst du ein relativ großes Einkommen erzielen. Zu den Schattenseiten einer freiberuflichen Tätigkeit zählt die Liquidität. Offene Forderungen können dich in massive finanzielle Schwierigkeiten bringen. Factoring zählt zu einer Methode, mit der es möglich ist, kurzfristig die Liquidität zu erhöhen. Was darunter zu verstehen ist und mit welchen Vorteilen diese Finanzierungsform verbunden ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Grundlegendes

Viele Freiberufler möchten ihren Kunden flexible Zahlungsmethoden zur Verfügung stellen. Neben einem Zahlungsziel von 30 Tagen kannst du deinen Kunden eine Zahlpause einräumen. Solche Zahlungsmethoden sind oft nur Unternehmen vorbehalten, die über ausreichend Liquidität verfügen. Flexible Zahlungsmethoden stellen heute durchaus einen Wettbewerbsfaktor dar, da Kunden heute mehrere Möglichkeiten zur Begleichung der Rechnungen erwarten.

Factoring – eine Definition

Freiberufler sind auf die Bezahlung offener Rechnungen angewiesen. Nur so können weitere Investitionen getätigt und Personalressourcen bezahlt werden. Wird aber ein langes Zahlungsziel in Anspruch genommen oder begleicht ein Kunde seine Rechnung nicht innerhalb der vorgegebenen Frist, kann dieser Umstand zu einer großen Herausforderung werden. Und hier kommt das Factoring ins Spiel. Offene Forderungen werden dabei an ein Factoring Unternehmen verkauft, wodurch der Freiberufler seine Liquidität unmittelbar steigern kann.

Wie ist die Vorgehensweise beim Factoring?

Du hast gegenüber einem Kunden eine Forderung in Form einer Dienstleistung oder einem bestimmten Produkt? Damit die Forderung rechtskräftig verkauft werden kann, muss diese Forderung auch existent sein und an den Factor abtretbar sein. Bedenken solltest du dabei, dass oft nur die Forderungen an das Factoring Unternehmen verkauft werden können, die nach dem Abschluss mit dem Unternehmen entstehen. In manchen Fällen ist es aber durchaus möglich, auch schon bestehende Forderungen vor Vertragsabschluss an den Factor zu verkaufen. Hier kommt es auf das Institut und auf dein Verhandlungsgeschick an. Verträge werden in der Regel über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren bis zu 5 Jahren abgeschlossen.

Im Anschluss wird vom Factoring Unternehmen die Bonität des Debitors geprüft. Diese Prüfung findet vor dem eigentlichen Vertragsabschluss statt. Das Factoring Unternehmen trägt nach dem Verkauf der offenen Forderungen das volle Risiko. Aus diesem Grund ist die Bonitätsprüfung eine wesentliche Voraussetzung, da von dem Factoring Unternehmen das Ausfallrisiko getragen werden muss. Je höher die Bonität ausfällt, umso größer ist die Summe deiner Auszahlung. Im Anschluss werden die Forderungen an den Factor verkauft. Dazu musst du die offenen Rechnungen an diesen übermitteln, der diese wiederum in einem ersten Schritt einer Prüfung unterzieht.

Anschließend werden die Forderungen aufgekauft. Den Betrag erhältst du in der Regel sofort oder spätestens nach Ablauf von 48 Stunden. Zunächst wird dir ein Betrag von 80-90 % der Bruttoforderung ausbezahlt, wodurch deine Liquidität wiederhergestellt ist. Der restliche Betrag wird zunächst als Sicherheitseinbehalt von dem Factor einbehalten. Auch diesen Betrag erhältst du vom Factor zurück, sobald der Debitor die komplette Forderung beglichen hat.

Welche Arten von Factoring können unterschieden werden?

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Factoring-Arten. Wir wollen uns auf drei bekannte Methoden beschränken: das echte Factoring, das offene Factoring und das stille Factoring.

Was ist unter dem echten Factoring zu verstehen?

Die beliebteste Factoring Methode ist das echte Factoring. Das Factoring Unternehmen kauft dabei die Forderungen des jeweiligen Unternehmens und übernimmt das komplette Ausfallrisiko der Forderungen. Dieses Ausfallrisiko wird auch als Delkredereschutz bezeichnet. Möchtest du das echte Factoring in Anspruch nehmen, erhältst du dadurch die Sicherheit, dass alle Forderungen pünktlich und in voller Höhe bei dir eintreffen.

Was wird unter offenem Factoring verstanden?

Beim offenen Factoring werden die Kunden, gegen die eine Forderung besteht, von dem Verkauf der Forderungen an ein Factoring Unternehmen informiert. Auch die Zahlung wird vom Kunden direkt an den Factor überwiesen. Diese Form kann auch mit dem echten Factoring kombiniert werden.

Was ist unter dem stillen Factoring zu verstehen?

Bei dieser Variante werden die Kunden nicht über den Verkauf der Forderungen informiert. Die Zahlung erfolgt demnach auch nicht an das Factoring Unternehmen, sondern an dich persönlich. Du musst hingegen wieder dafür sorgen, dass das Geld beim Factor eintrifft.

Welche Vorteile hast du, wenn du Factoring in Anspruch nimmst?

Die Vorteile des Factorings liegen klar auf der Hand: Du gewinnst sofortige Liquidität, kannst Investitionen tätigen und kommst in den Genuss, Sonderrabatte in Anspruch zu nehmen. Ganz nebenbei wirkt sich das Factoring auch auf den Bankkredit positiv aus. Diese Vorteile sollen nun näher beleuchtet werden:

Du erreichst mit dem Factoring sofortige Liquidität

Unmittelbar nachdem du die offenen Rechnungen bei der Factoring Gesellschaft eingereicht hast, wird dir eine Höhe von 80 bis 90 % des Bruttobetrages überwiesen. Somit kannst du sofort über das Geld verfügen und bist in der Lage, kurzfristige Finanzierungen zu tätigen. Damit bist du nicht gezwungen, auf eine andere Finanzierung zurückzugreifen, wenn kurzfristige Anschaffungen anstehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass du Lieferanten unmittelbar bezahlen kannst und somit auch spezielle Vergünstigungen in Anspruch nehmen kannst. Vergünstigungen wie Skonto stehen dir in der Regel dann zur Verfügung, wenn du deine Rechnungen innerhalb einer Frist von 7 Tagen begleichst. Dein Rechnungsbetrag wird dann um 2 bis 3 Prozent reduziert. Durch das Factoring kannst du auf diese Vergünstigungen zurückgreifen, die dir andernfalls nicht bereitstehen würden.

Deine Tätigkeit kann durch Investitionen wachsen

Du hast einen Großauftrag und benötigst Investitionen? Oder möchtest du ein neues Projekt verwirklichen? Um weitergehende Investitionen zu tätigen, wird oft die unmittelbare Liquidität vorausgesetzt. Das ist der Fall, wenn deine Auftragslage sehr gut ist. Um diese Investitionen zu tätigen, bist du aber auf den Betrag angewiesen, der aus den offenen Forderungen hervorgeht. Factoring bietet sich hier als geeignete Methode an, um deine Tätigkeit bei ihrem Wachstum zu unterstützen.

Verbesserte Bonität durch Factoring

Verkaufst du bestimmte Forderungen an eine Factoring Gesellschaft, beeinflusst dies deine Kreditwürdigkeit positiv. Zum einen steigt nämlich dadurch deine Eigenkapitalquote, – das bedeutet, du kannst auf mehr eigene finanzielle Mittel zurückgreifen. Zum anderen profitierst du von einem niedrigen Zinssatz, da sich dieser aufgrund deiner Bonität berechnet. Aber nicht nur Banken prüfen deine Liquidität, sondern auch andere Unternehmen, mit denen du zusammenarbeitest. So kann es im schlimmsten Fall passieren, dass dir Waren von Lieferanten nicht zugestellt werden. Dieses Risiko kannst du durch das Factoring vermeiden.

Du verringerst das Ausfallrisiko

Durch Kunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlen, kannst du in enorme Schwierigkeiten geraten. Das führt letztlich dazu, dass du selber nicht mehr in der Lage bist, Rechnungen zu begleichen. Handelt es sich hier auch noch um Großkunden, reicht ein einzelner Auftrag, der nicht bezahlt wird und deine Existenz wird erheblich bedroht. Durch das Factoring minimierst du das Risiko um ein Vielfaches.

Dein bürokratischer Aufwand hält sich in Grenzen

Dein Arbeitsaufwand wird entlastet, da du dir sämtliche Personalkosten, die du für das Mahnwesen und die Debitorenabteilung aufbringen müsstest, sparen kannst. Neben Mahnungen werden auch Inkassokosten und Kosten für den Vollstreckungsbescheid vom Factor übernommen. Damit lassen sich neben Personalressourcen auch die Portokosten einsparen.

Sonstige Vorteile

Verkaufst du Forderungen an ein Factoring Unternehmen kannst du deinen Kunden längere Zahlungsziele zur Verfügung stellen, bleibst dabei aber selber liquide. Zum anderen erhältst du selbst im Fall der Insolvenz des Kunden einen vollständigen Schutz gegen solche Ausfälle. Schließlich musst du nicht einmal dein Konto wechseln und auch die Kosten sind im Vergleich zu den Vorteilen überschaubar.

Grundsätzlich kann Factoring in jeder Branche zum Einsatz kommen, allerdings ist diese Methode in einigen Bereichen eher verbreitet. Zu diesen Bereichen zählen die verarbeitende Industrie, der Großhandel und das Handwerk. Bietest du hingegen ausschließlich Dienstleistungen an, kann es schwieriger werden, an einen Factor zu kommen.

Die Bilanzierung beim Factoring

Factoring beeinflusst die Bilanz des Unternehmens positiv, denn durch den Verkauf gehen die Forderungen an den Factor über. Die Forderungen werden folglich aus der Bilanz gestrichen, wodurch die eigene Liquidität erhöht wird. Diese Liquidität kannst du dazu benutzen, um beispielsweise Lieferantenkredite zu tilgen. Dadurch wird die Bilanz nachhaltig verbessert, da sich auch die Passiva reduzieren.

Welche Kosten entstehen beim Factoring?

Die Kosten setzen sich aus drei Komponenten zusammen: der Factoringgebühr, dem Zinssatz und der Prüfgebühr.

Die Factoring Gebühr wird auf den finanzierten Jahresumsatz erhoben und setzt sich aus den administrativen Prozessen zusammen. Hierzu zählt die Abwicklung des Vertrages, das Mahn- und Inkassowesen sowie das Debitorenmanagement. Diese Gebühr variiert je nach Unternehmensgröße, bewegt sich zwischen 0,1 bis 3 %. Auch die Bearbeitungskosten pro Rechnung spielen eine wesentliche Rolle. So ist es ein entscheidender Unterschied, ob ein großer Rechnungsbetrag anfällt oder mehrere kleine Rechnungen zusammenkommen. Je mehr Handgriffe erforderlich sind, desto höher fällt diese Gebühr auch aus.

Der Zinssatz der Vorfinanzierung ist wiederum abhängig vom Jahresumsatz. Weitere Faktoren wie die Laufzeit, die Höhe der Auszahlung und deine Bonität beeinflussen den Zinssatz maßgeblich.

Die Prüfgebühr fällt jährlich und für jeden Debitor einzeln an. Diese Kosten belaufen sich auf 20 bis 50 Euro jährlich und pro Debitor. Vor Vertragsabschluss werden vom Factoring Unternehmen Auskünfte über den Debitor eingeholt. Um diese Prüfung durchzuführen, ist die Prüfgebühr vom Kreditnehmer zu entrichten.

Auch Rückversicherungskosten werden miteinbezogen. Diese sichern das Factoring Unternehmen in Falle eines Ausfalles ab. Haben Debitoren eine schlechtere Bonität, kann auch ein sogenannter Risikozuschlag entstehen. Dieser wird dann nicht in die Gebühr einberechnet, sondern separat erhoben.

Welche Leistungen werden vom Factoring Unternehmen übernommen?

Wie bereits weiter oben erläutert, wird neben der Begleichung offener Forderungen auch das Ausfallrisiko übernommen sowie Mahn- und Inkassokosten werden an das Factoring Unternehmen übertragen.

Welche Voraussetzungen sind an das Factoring gebunden?

Die Anforderungen, die an den Factoring-Kunden gestellt werden, sind abhängig von dem jeweiligen Institut. Einige Institute setzen den Hauptsitz in Deutschland voraus und erwarten einen Jahresumsatz von 5 Millionen Euro. Bei anderen Instituten werden bestimmte Branchen von vornherein ausgeschlossen wie beispielsweise beim Handel mit Waffen.

Eine wesentliche Voraussetzung ist die Bonität des Kunden. Fällt diese bei der Vorprüfung schlecht aus, kann es passieren, dass ein Vertrag gar nicht erst zustande kommt.

Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Mindesthöhe, die auf den individuellen Rechnungen ausgewiesen ist. Unterhalb einer bestimmten Rechnungssumme wird von einigen kein Vertrag angeboten. Das Zahlungsziel sollte 100 Tage nicht übersteigen, damit ein Vertrag zustande kommt.

Rechnungen, die auf individuellen Kundenwünschen beruhen oder solche, die eine sehr hohe Reklamationsquote aufweisen, werden in der Regel nicht berücksichtigt.

Schlussendlich dürfen die Waren keine Mängel aufweisen und die Forderungen nicht (etwa durch Pfändung) an Dritte abgegeben worden sein. Das Factoring wird hauptsächlich im B2B Bereich angewendet und bezieht sich nicht auf Verbraucher. Aber auch hier gibt es ein paar Ausnahmen.

Fazit

Hast du größere Rechnungen und möchtest dich absichern? Stellst du deinen Kunden ein längeres Zahlungsziel zur Verfügung, brauchst aber gleichzeitig die Liquidität, um Investitionen zu tätigen? Das Factoring ist eine geeignete Möglichkeit, um die eigene Liquidität trotz offener Forderungen zu erhöhen. So bist du nicht nur in der Lage, einen Lieferantenkredit zu tilgen und kannst Sonderrabatte in Anspruch nehmen, du profitierst durch diese Finanzierung auch bei Bankkrediten von günstigeren Konditionen. Gerade wenn du am Anfang deiner Tätigkeit stehst oder eine höhere Summe ausstehend ist, können offene Forderungen schnell existenzgefährdend werden. Nimmst du das Factoring in Anspruch, bist du vor solchen Situationen geschützt und auch dann abgesichert, wenn der Kunde im Fall einer Insolvenz vollständig ausfällt.

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